Bestattungen Berlin

Bei meinen Gedanken um unsere Klimasituation lässt mich der Gedanke nicht los, das unsere Situation mit der Angst vor dem Tod zu tun hat...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Könnte es sein, das viele Menschen, die den Tod als Endlichkeit unseres Daseins denken, auch Angst haben, dieses Leben nicht genug auszuschöpfen, bevor dann später einmal alles ganz vorbei ist? Könnte der sichtbare Rausch nach Ablenkung und mehr kurzfristiger Befriedigung dazu dienen, die bewusste oder unbewusste Angst vor dem Tod zu verdrängen? Denn wer will schon gerne nicht mehr sein? Unsere Egos flößen uns ja mit allen möglichen Gedankenkonstrukten Angst ein, damit wir die Liebe meiden. Diese Gedanken erzeugen jenen emotionalen Schmerz, den wir dann verdrängen wollen und auf ihn mit allen möglichen Ablenkungen reagieren.

Als ich vor etwa 3 Jahren eine Familie in Berlin beim Bestatten und Abschiednehmen von einer jungen Frau, die auch Mutter zweier Kinder war, begleitete, da erlebte ich wieder einmal, wie der direkte Umgang mit dem Tod  – auch bei Kindern – heilsam ist. Es war Sommer und heiss. Die Familie hatte sich gewünscht, die Verstorbene aus dem Krankenhaus nach Hause zur Aufbahrung zu holen, damit sich alle Freunde, Verwandte und Nachbarn wirklich verabschieden konnten.

Der ganze Kiez war mit im Boot. Denn um genug Kühlung in das Zimmer zu bekommen, hatte ich große Kühlakkus gekauft, die wir nun in der Eistruhe unseres Einscafes an der Ecke über die Nacht immer wieder erneuern konnten. Alle Menschen, die von unserem Vorhaben mitbekamen, waren zärtlich angetan. Manche erinnerten sich an eigene Abschiede und wünschten, sie hätten damals auch so eine Gelegenheit gehabt. Stattdessen wurde ihr Verstorbener mit dem schwarzen Auto des Besatters abgeholt. Auf nimmer wieder sehen. Zur Beisetzung auf dem Friedhof stand dann die schwarze Urne auf dem schwarzen Tisch. Wohin ab jetzt mit all den Fragen, dem leeren Platz im Herzen und den Phantasiebildern unserer Psyche die alles mögliche in unserer Vorstellung macht, wenn wir keine wirklichen Bilder haben, über das was geschieht, uns niemand ermutigt, hinzuschauen, neben uns steht und und mitgeht…

Ich selbst war in den Tagen vor 3 Jahren sehr berührt, wie der Abschied von Z. Gestalt annahm. Wir betteten Sie in ihrem schönsten bunten Kleid in ihrem Zimmer auf. Kerzen standen überall und erhellten mit ihrem warmen Licht über die Stunden den Raum und die Herzen der Familie und Freunde. wir sangen Lieder, lasen der Verstorbenen ihre Lieblingsgeschichten vor, alle brachten Blumen mit und es wurde um das Totenbett herum miteinander gegessen, getrunken und JA, auch gelacht. Die schönsten Geschichten über Z. wurden miteinander geteilt, Musik gespielt und auch die Stille hat ihren heilsamen Raum bekommen. Die Kinder von Z. spielten mit ihren Freundinnen „Mensch-ärgere-Dich-nicht“ auf dem Totenbett ihrer Mama. Sie waren so froh, das ihre Mama so lange noch bei Ihnen sein konnte und sie konnten die Veränderungen ihres Körpers mitverfolgen. Niemand ekelte sich, denn wieso auch, hier lag der so geliebte Mensch mit Körper, Geist und Seele. Er wurde liebkost, geküsst und gestreichelt mit einer innigen Selbstverständlichkeit, die selbst mich mit den vielen Erfahrungen rund um den Tod die Tränen in die Augen trieb.

Am Ende, als der Moment kam, Z. in ihrem Sarg zum Krematorium zu begleiten, hatte eines der Kinder eine Idee:“ Halt Papa, wir müssen Mama doch ihre Lieblingstomaten vom Balkon mitgeben.“ Und das taten wir dann. Was für ein gutes letztes Bild, die kleinen roten Früchte mit den grünen Stielen auf dem weichen, weissen Tuch des Sarges.

Und was hat diese Geschichte mit dem Umweltschutz zu tun? Der Frieden, der von all diesen Menschen, die diesen Abschied begleitet haben, ausging – er hat etwas damit zu tun. Wenn wir durch Erfahrung wissen, das alles gut ist, so wie es ist, bringt uns dieses Bewusstsein tief zu uns selbst. Hier ruht der Frieden. Der Friede in uns ist zugleich der Frieden in der Welt.  In diesem Frieden lebt eine Kraft, die uns tief beschenkt. Äußeres ist dann weniger „not-wendig“.

Alle haben bei diesem Abschied erleben dürfen, das nicht Z. selbst starb – sondern ihr Körper. Denn ihre Seele war die ganze Zeit für alle fühlbar anwesend und erhellte den Raum. Dieses Wahrnehmen hat nichts mit Religion oder Glauben an Reinkanation zu tun, sondern mit Erfahrung mit allen Sinnen, den Inneren und den Äußeren. Das spürten vor allem die Kinder, die so vorbehaltlos dem Tod gegenüber waren, hatte ihnen noch niemand erzählt, das der Tod falsch ist und verdrängt werden muss. Im Gegenteil, ihr Vater, ein bewusster Mensch, erlaubte seinen Kindern ihre eigenen Erfahrungen zu machen. Was für ein Vertrauen ins Leben.

Hinzuzufügen wäre noch, das es zuvor Zwistigkeiten in der Familie gab, u.a. wegen der unterschiedlichen Glaubens- und Religionsansichten. Wie nun aufgebahrt, in welche Himmelsrichtung, mit welchen Kerzenformen, Farben der Tücher –  all das beschäftigte in den ersten Stunden die aufgeregten Gemüter der Erwachsenen. Die Kinder waren es in ihrer Einfachheit und mit ihren Herzen, die zeigten, das all dies am Ende nicht wirklich das Wichtigste ist. Am Ende befriedete dieser gemeinsame Weg die Konflikte der Familie. Ist das nicht gut für uns alle?